Interview

Foto Dr. Freimuth_Druck

Human Economy – Made in Germany

Dr. Frank Freimuth gehört zu den ausgewiesenen Experten auf dem Gebiet nachhaltigen Wirtschaftens im deutschsprachigen Raum. Mit seinem Unternehmen, der INTERENA GmbH, berät er Unternehmen von DAX-30-Konzernen bis zu mittelständischen Firmen in Sachen Nachhaltigkeit. Auch öffentliche Einrichtungen, Ministerien und Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) holen sich von seinem Beratungsunternehmen professionelle Empfehlungen. Als Vorsitzender des Vereins „Sustainable Finance e.V.“ engagiert Dr. Freimuth sich außerdem für einen nachhaltigen Finanzplatz Deutschland.

Mit „Human Economy – Die neue Kraft der Humanität“ hat Dr. Frank Freimuth jetzt ein Buch vorgelegt, das bei Entscheidern in Wirtschaft und Politik für neues Denken sorgt.

Zur Lektüre merkt z.B. einer der erfolgreichsten deutschen Unternehmer, Prof. Götz Werner (Gründer dm-drogerie markt) an: „Mit ‘Human Economy‘‚ öffnet Frank Freimuth neue Perspektiven für vorausschauende und erfolgreiche Unternehmensführung.“ Und Rainer Opolka, mit seinem Unternehmen „Zweibrüder“ Weltmarktführer bei den LED-Taschenlampen, urteilt: „Das Buch ‘Human Economy – Die neue Kraft der Humanität‘‚ stellt sich den Herausforderungen und zeigt gangbare Lösungen. Für Betriebe und Politik ist es ein absolutes Muss.“

Im folgenden Interview erläutert Dr. Freimuth seinen Standpunkt zum nachhaltigen Wirtschaften, stellt ein Grundprinzip der Human Economy vor und zeigt auf, wie sich die Marke „Made in Germany“ heute wieder beleben lässt.

Dr. Freimuth, wie beurteilen Sie die wirtschaftliche Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit?

Dr. Frank Freimuth:

Bei uns hat sich in den letzten Jahren Vieles zum Positiven verändert. Dabei denke ich unter anderem an den Klimaschutz oder die erneuerbaren Energien. Aktuell steht die ökologische Dimension der Nachhaltigkeit stärker im Fokus als jemals zuvor. Es hat geradezu einen „Öko-Hype“ gegeben – mit typischen negativen Begleiterscheinungen wie Scharlatanen, Dünnbrettbohrern und Trittbrettfahrern. Speziell das Greenwashing unter dem Deckmantel der Nachhaltigkeit hat sehr zugenommen.

Man muss leider sagen, dass sogar der Begriff Nachhaltigkeit selbst wegen der negativen Seiten des Öko-Hypes in Misskredit gekommen ist. Manche – speziell Führungskräfte in der Wirtschaft – vermeiden ihn deshalb heute sogar ganz bewusst. Das ändert aber nichts daran, dass die nachhaltige Entwicklung in ihrem Dreiklang von Ökonomie, Ökologie und Sozialem der richtige Weg für Deutschland ist, um international konkurrenzfähig zu bleiben. Immer mehr Unternehmen gehen das Thema deshalb ernsthaft und vertrauenswürdig an. Die Bedingungen für ein starkes qualitatives wirtschaftliches Wachstum sind bei uns also gut. Eine tragfähige Perspektive der Nachhaltigkeit braucht heute allerdings einen neuen Schub: Die neue Kraft der Humanität.

Wer kräftigen, frischen Wind und nicht nur ein laues Lüftchen bringen will, muss ein solides Fundament haben. Sie vertreten seit Langem einen profilierten Standpunkt zum nachhaltigen Wirtschaften. Was ist dafür charakteristisch?

Dr. Frank Freimuth:

Wirtschaftliche Nachhaltigkeit ist besonders wirkungsvoll, wenn sie im Kerngeschäft von Unternehmen verankert wird und ökonomische Vorteile bringt. Es geht darum, Unternehmen durch Nachhaltigkeit hart und wertbeständig zu machen. Mit diesem Ansatz wirtschaftlicher Durabilität fokussieren wir in der Beratungspraxis unseres Unternehmens ganz bewusst auf die ökonomischen Vorteile der Nachhaltigkeit: Durabilität ist der harte Kern nachhaltigen Wirtschaftens. Ihre substantielle Wirksamkeit ist darin angelegt, dass sie – richtig verstanden und umgesetzt – harte wirtschaftliche Fakten und ökonomische Wettbewerbsvorteile schafft.

Wie können sich Unternehmen durch Nachhaltigkeit wirtschaftliche Vorteile verschaffen?

Dr. Frank Freimuth

Zur erfolgreichen Umsetzung von Durabilität, also zur Schaffung ökonomischer Vorteile durch Nachhaltigkeit, ist auf unternehmerischer Ebene professionelles Nachhaltigkeitsmanagement erforderlich: Damit ist gemeint, konsequent die Stärken der Nachhaltigkeit als Prinzip der Unternehmenssteuerung zu realisieren. Dies setzt voraus, sie messbar zu machen und unternehmerisch zu steuern – etwa durch Kostenanalyse und -reduktion unter nachhaltigen Kriterien oder durch strategische Entwicklung der Unternehmenswerttreiber. Als ökonomisch besonders zielführend zeigt sich die risikominimierende Funktion der Durabilität, also z.B. Investitionsmanagement unter nachhaltigen Regularien, risikominimierender Einkauf zur Verhinderung von Folgekosten sowie Konsistenz in Beschaffung, Produktion und Vertrieb.

Bei Weitem noch nicht ausgeschöpft sind nach unserer Erfahrung auch die Nachhaltigkeitspotentiale auf dem Gebiet von Forschung und Entwicklung, des Risikomanagements, der Kunden- und Lieferantenbeziehungen und vor allem der Personalführung, Mitarbeiterfindung und -bindung. Speziell im Umgang mit Mitarbeitern müssen heute viele alte Zöpfe durch professionelles Management abgeschnitten werden.

Was muss die deutsche Politik tun, um nachhaltiges Wirtschaften zu unterstützen?

Dr. Frank Freimuth:

Wettbewerbsvorteile durch nachhaltiges Wirtschaften können z.B. darin begründet sein, sich wirkungsvoll auf neue Herausforderungen und die globalen Megatrends einzustellen, also heute u.a. auf Urbanisierung, steigende Nachfrage nach Energie, Änderung der Konsum- und Lebensstile, Klimawandel, die Begrenztheit der Rohstoffe und vor allem den demographischen Wandel. Hier muss die Politik starke Impulse setzen – etwa auf dem Gebiet der Fachkräftesicherung, des Recyclings oder der Material- und Rohstoffeffizienz. Viel zu wenig politische Unterstützung findet bei uns die konsequente Weiterentwicklung nachhaltiger Technologien – obwohl hier ein Schlüssel für globale Wettbewerbsfähigkeit liegt. Und auch auf dem Gebiet der öffentlichen Beschaffung ist eine erhebliche weitere Intensivierung staatlicher Anstrengungen erforderlich, um die Verbreitung der Nachhaltigkeit glaubwürdig voranzubringen. Im Zentrum aber steht die konsequente Verbesserung von Bildung und Qualifizierung. Das, was zwischen unser aller Schultern sitzt, ist nämlich unser wichtigstes Kapital.

Dr. Freimuth, lassen Sie uns noch etwas in die Theorie eintauchen. Sie haben den demografischen Wandel gerade als eine neue Herausforderung bzw. globalen Megatrend aufgezählt. Welche Rolle spielt der demografische Wandel in der deutschen Wirtschaft – und ist er damit bereits angemessen besetzt?

Dr. Frank Freimuth:

Der demografische Wandel führt in zahlreichen Sektoren der Wirtschaft zu einer starken Verknappung von Arbeitskräften und in vielen Unternehmen zu einer zunehmenden Alterung der Belegschaften. Länder wie die Volksrepublik China bekommen das jetzt stark zu spüren. Aber insbesondere Deutschland muss sich auf die Folgen der demografischen Entwicklung einstellen, weil wir in den nächsten Jahren zu einem globalen Methusalem werden. Aktuell gibt es ja bereits in 96 Berufen einen Fachkräftemangel. Mit dem demografischen Wandel wird sich dieser Trend fortsetzen und es zeichnet sich klar und deutlich eine Revolution auf dem Arbeitsmarkt und ein grundlegender Wandel im Stellenwert der Erwerbsarbeit ab: Qualifizierte Mitarbeiter sind das Gold des 21. Jahrhunderts. Auf die Folgen der demografischen Revolution ist unsere Wirtschaft aber bisher noch nicht in ausreichendem Maß professionell eingestellt. Hier sind konstruktive Perspektiven und praktikable Antworten erforderlich, wie sie durch unser Konzept der „Human Economy“ entwickelt werden.

Was meinen Sie, wenn Sie von „Human Economy“ sprechen? Beschreiben Sie bitte kurz das Grundprinzip!

Dr. Frank Freimuth:

Das Konzept der „Human Economy“ ist ein offener Ansatz, der neue wirtschaftliche Horizonte öffnet, weil er die soziale Ebene der Nachhaltigkeit konsequent zu Ende denkt. Das zugrunde liegende Prinzip, der „Impuls der Humanität“, ist ganz einfach: Es geht darum, dass der einzelne Mensch viel stärker als bisher auch in das Zentrum der Ökonomie gehört. Das meine ich nicht als Ausbeutung der Arbeitskraft, sondern – ganz in humanistischer Tradition – als Entfaltung der Potentiale der einzelnen Persönlichkeit. Mit anderen Worten: Es geht um den Menschen als Subjekt und nicht als Objekt der Ökonomie. Dieser Impuls der Humanität entfaltet heute ganz neue Kraft und schafft wirtschaftliche Vorteile. Aber: Dieses einfache Grundprinzip der Human Economy fordert neues Denken und Handeln auf vielen Ebenen.

Ist Ihre Forderung nach einem Umdenken der Grund für die Aufmerksamkeit, die Ihr Buch in den Chefetagen von Wirtschaft und Politik erfährt?

Dr. Frank Freimuth:

Unser Konzept der Humanen Economy ist keine Kopfgeburt, sondern das Ergebnis einer sowohl theoretischen als auch praktischen Auseinandersetzung mit den globalen ökonomischen Herausforderungen, vor denen auch deutsche Unternehmen, darunter unsere Kunden, heute stehen. Wir haben eine wirksame Strategie entwickelt, die über den Tag hinaus Wirkungszusammenhänge verdeutlicht und daraus handhabbare unternehmerische Maßnahmen wie die „Social Performance“ ableitet.

Wo treffen sich Human Economy und wirtschaftliche Durabilität konzeptionell – und was bedeutet das für deutsche Unternehmen?

Dr. Frank Freimuth:

Human Economy und wirtschaftliche Durabilität sind zwei Seiten der gleichen Medaille: Nach meiner Auffassung müssen sich Unternehmen heute systematisch zu humanen Organisationen entwickeln. Das macht sie im demografischen Wandel durabel, also hart und wertbeständig. Dazu gehören professionell gesteuerte und operationalisierbare Unternehmensstrategien, humane Unternehmenskulturen und intelligente Managementsysteme. Deutsche Unternehmen müssen zu einem globalen Vorbild von Qualität und humaner Unternehmensentwicklung werden. So wird das Qualitätssiegel „Made in Germany“ neu belebt.

 

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Die neue Kraft der Humanität